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BEN \

Hiſtoriſch· politiſche Hlätter für das katholiſche Deutſchland.

Des Jahrgangs 1882 |

Zweiter Band.

hiſtoriſch· politiſche

Blätter

für das

katholiſche Deutfchland

herausgegeben

Edmund Zörg un Franz Binder.

Eigenthum der Familie Görres.)

Reunzigfter Band.

München 1882. In Eommiffion der Literariſch⸗artiſtiſchen Anſtalt.

RE ———

STANFORD unıvERBiTY LIBRARI

STACKS DeSiL'ser

Suhaltsverzeichniß.

J. Bittoria Goloma . . . : a

II. Der Socialftaat, ber Finanzflaat und bie Co⸗ Ionialpolitit in Frankreich SEEN

III. Zur Frage über ben Verfaſſer ber Nachfolge Chriſti

IV. Harmonische Beziehungen zwiſchen Scholaſtik und moberner Naturwiſſenſchaft ——

V. Zeitläufe. Die Ereigniſſe in Aegypten und was fie über ben Orient lehren? . . . . R

.

VI. Janſſens Stier : 2020. P

VII. Der Socialflaat, ber Finanzſtaat und bie Co⸗ Tonialpolitit in Frankreich (Schluß.)

VIII. Vittoria Colonna (SchlußJd..

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XIV.

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Zeitlänfe,

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Schweizer Slizzen und Bilder. OL Rach Baſel ——

Einige Streitiragen aus der Geſchichte der Ab⸗ fegung bes Könige Wenzel. II. (Schluß)

Tr. Biliam George Barb

KHeinri ven Reilnau, ein großer Abt und Staats: mann ee et ee Ta gi

Aphorismen aus einigen ungebrudten Briefen bes Abb6 Lamennais Pa er

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XXII.

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Zeitläufe.

Die neuen Fragen der Sphynr.

Der „Couponkrieg" und feine Gegner Eng⸗ land und bie anderen Mächte . PO

Ein Zfaias:Commentar . .

Zur Inquifitionsfrage —A ZT;

Socialpolitiſche und vollswirthfchaftlidde Novitäten.

(Perin. Schaffle. v. Schönberg) ER.

Zum Jahrestag des römiſchen Frevels vom 13. Zuli 1881 En de

Die gallitanifhe Kirche und die ET Re: volution % (Nah gervis.)

Zeitläufe. Die Reihstagsreben bes Fürjten Bismard vom 12. und 14. Zuni d. 38. . R 2 . .

Die katholiſche Diafpora Norddeutſchlands. 3, Die nordiſchen Miffionen 5

Die neuere Literatur über das Bistum Pafjau

Die öfterreichifche Schulfrage

Am Vorabend der italienifchen Parfamentss wablen . 2 : E R E A P

Zur Geſchichte über ben des Kirchen⸗ ſtaates .

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Die Stiftoklirche in Ellwangen .

Die katholiſche Diafpora Norddeutſchlands. 3. Die nordiſchen Miffionen (Fortf.)

Dr. Karl Johann Greith, Biſchof von St. Gallen

Poetiſches. J. W. Kreiten's Heimatweiſen aus der Fremde

Schweizer Skizzen und Bilder.

IV. Das Shwegerland . . .: Zeitläufe.

Die Entfheidung in Aegypten; England und bie Mächte De rt

Onno Klopp’s neueftes Geſchichtswerk. Das Jahr 1683 und ber große Türkenkrieg

Dr. Ebwarb Bouverie Pufey -. - -

Zum fiebenten Eentenarium bes hl. Franziskus

Zeitläufe. Aus Anlaß der Landtags⸗Neuwahlen in Preußen

. Schweizer Skizzen und Bilder.

V. Das alte Baſel

Die katholiſche Diaſpora Norddeutſchlands. 3. Die nordiſchen Miſſionen (Schluß)

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XLV.

Onno Klopp's neueſtes Geſchichtswerk. Das Jahr 1683 und der

(Schluh)....

. Dr. Anton Rulanb . R . . P R

. Hiſtoriſche Miscellen.

Beiträge zur Geſchichte des deutſchen Volles. (Sauer. Otto. Gramich. Czerny. Wiedemann.)

XLVIII. Mejico und die Vereinigten Staaten XLIX. Zeitläufe. Rußland, Polen und die deutſche Wirthſchaftspolitik L. Schweizer Skizzen und Bilder.

LI.

LII.

LIII.

LIV.

LV.

LVI.

LVII.

V. Das alte Baſel (Schluß)

Angelo Secchi über die Größe der Schöpfung

Liber de causis Der Schweizer Künſtler Paul v. Deſchwanden

Der gegenwärtige Stand der ——— Be⸗ wegung in Frankreich

Bilder aus den Alpenländern. IL Aus dem Gafteiner Thale

Poetiſches. II. Dichtungen von Franziska von Hoffnaaß

Der Bankerott ber franzöſiſchen Republik

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Em neues Hınbbud ber Urtundenlebre

Gleffen zu ven Peiter Delegatiens-BVerh and lun⸗ gen bezüglich Rußlands und ter Balkanjlaven

Zur Rechtjfertigung ver Philoſophie ber Geſchichte als einer beionderen Wiſſenſch aii.

L Die Geſchichtswiſſenſchaĩt

Bilder aus den Alpenlänbern. I. Aus dem Gafleiner Thale (Schluß)

Zwei Bildercyklen von Joſeph von Fũhrich.

Das Leben Mariens und bie Legende vom heil. BDendeln.: in un ee

Zeitläufe.

Randgloſſen Ju neueren Verlautbarungen in ber ſocialpolitiſchen Tiscufion. L Zurechtſeßung bes Standpunfis. Die Krage vom „Gapita: | (7): 1117 DE

Zur Rechtfertigung ber Bhilofophie der Geſchichte als einer befonberen Wiſſenſchaft.

L Die Geſchichtswiſſenſchaft (Schluß)

Silhouetten aus Deiterreid: Zur neuen Reiheraths «Sefjion. L Die

bes Volkaſchulgeſetzes

Der neueite proteſtantiſche Reveille „gegen Rom”

Poetifches. III. Gedichte von F. W. Weber ee

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LXVII.

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LXX.

Zeitläufe.

Randgloſſen zu neueren Berlautbarungen in ber fecialpolitiihen Discuffion. IL Der Streit der Schulen: Perin und bie „Staats= Socialiften.” Die fociale Rettung in ber Corporation . .

Schweizer Skizzen und Bilder. VI. Das Heutige Bf» 2 20 20

Die deutſchen Katholifen in ben Vereinigten Staaten . . i »

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9” Aus unb über Frankreich.

als die jungen Zweige, welche aus ben Wurzelftäden ber verbrannten Wälver fehr üppig heroorfchießen. Das DVer- brennen der Wälder durch die Araber hat keinen andern Grund, e8 ijt eine Folge ihrer nomadifchen Lebensweife. Es iſt aber auch eine Haupturfache der Feindſeligkeit gegen bie dagegen einfchreitenden Franzoſen und ber Aufftände, welche für diefe ſtets jo empfindlich find.

Die Befiedelung der an Tunis grenzenben Provinz Con⸗ itantine it durch die Anlage von Eiſenſteinbergwerken in Schwung gebradyt worben. Hauptjächlich wegen ber Berg: werfe wurden mehrere Bahnen, wie Bona-Gelma-Sukharra, gebaut, welche bei bem Borgehen gegen Tunis gute Dienfte leifteten. Cine Bahn von dem Hafen Philippeville nach Gonftantine und Bakna ift in Betrieb und fol binnen zwei Jahren bis Biskra, auf der hier in ungewöhnlicher Entfernung vom Ufer beginnenden Hochebene, geführt werben. Die Weiter: führung bis Tuggurt und Wargla ift geplant. Beide Orte liegen tief in der Sahara, Wargla iſt 600 Kilometer vom Meere entfernt. Diefe lange Bahnftredte durchſchneidet zahl: veihe fruchtbare Thäler, mehrere Dafen, wovon biejenige von Saghem einige Tagreifen Durchmefjer hat, große Sümpfe, Seen und Wälder enthält. In den Wüftenftrichen find ſchon mehrfach reichliche Quellen erbohrt worden, deren Waſſer Palmpflanzungen und dadurch die Anlage und Vergrößerung von Dajen ermögliht. Es ift nur eine Frage ber Zeit, von der Küfte bis Wargla das Land zu befieveln und in eine Kornfammer umzuwandeln. Freilich ift dazu unbedingt nothwendig, die Nomaden abzuhalten. Einmal bi Wargla vorgebrungen, wird das weitere Vorrüden durch die Sahara, mittelft Eifenbahnen bis zum Senegal, ebenfalls moͤglich werden. Die Sahara bietet überall Dafen und bie Mög- lichkeit Baumpflanzungen und Brunnen anzulegen.

Die vom Cardinal Lavigerie, Erzbifchof von Algier uub apoftolifcher Vilar von Tunis, ausgefendeten Glaubensbiiige- Nihard und Kerambon find übrigens ſchon etwa 1000 A⸗

248 TouriftensErinnerungen. Nah Bafel.

hier ein Häuflein den Hort des katholiſchen Glaubens fich ge: treulih bewahrt.

Die Nähe der Millionenftaut Bafel fol unter feinen Bürgern nunmehr 216 Millionäre zählen machte fid gel: tend : immer mehr Gärten und Landhäufer, immer zahlreicher die Minarets der modernen Eultur, immer zahlreicher die Lich⸗ ter, immer reger der Verkehr, immer näher die diabolifche Mufit ber Lolomotiven, immer weitläufiger das Schienennek, immer gemachlicher die Bewegung des Zuge. Endlich war das Ziel erreiht. Wem nad qualvoller Haft die Kerkerpforte ſich öffnet, ber könnte nicht froher ſeyn, als meine Wenigfeit es gewefen. Mein Leben lang werbe ih an Sonn- und Feiertagen fein Billet dritter Klafje mehr löſen.

366 Aus König Wenzels Zeit.

erfordert, Erzbifhof Johann von ber fhweren Schuld, die feit Jahräunderten auf ſeinem Namen laftet, freizufpreden.“

Der Zahn der Zeit hat die ungerechte Inſchrift auf dem Kreuze bei Klein-Englis ausgetilgt: möge diefelbe Ver: daͤchtigung nun auch dauernd aus ben Gefchichtswerten ver: ſchwinden und man endlih dem Mannc gerecht werben, der bei aller perfönlichen Seldftfucht, Schlauheit und Geriebenheit denn doch den Meuchelmorb verfchmähte, im Webrigen aber einer ber beveutendften Kurfürften der Mainzer Kirche und einer ber hervorragendften Kanzler des deutfchen Reiches war, dem auch derſelbe Trithemius, der al8 getrener Chronift uns die vorwurfsvolle Inſchrift aufbewahrt und uns fein ſchlaues, ehrgeiziges Wefen fchilbert, gleichwohl das Zeugniß nicht vorenthält: „Bene rexit Ecclesiam [scil. Moguntinam] et bona plura fecit.“)

1) Trithem., Chron. Hirsaug. (ed. 4. 1050) II, 364. Bgl. auf fein Lob in dem v. Kremer, Origg. Nassoicae II mitgetheilten carmen, wo es pag. 437 heißt:

Promicat inter vos ceu elarum sidus Olympi Joannes, nulli vera virtute secundus etc.

300 Lvamennais ſche Apborismen.

kann. Reigen Sie mir in dem Beſtehenden eine Möglichkei der Rettung. Wir haben alle Chancen verbraugt und vernich tet. Sehen Sie nur, welden Männern überall die Staats geihäfte anvertraut find; ſuchen Lie eine einzige vernünftig: Idee in diefen Köpfen voll der uniinnigjten und unſeligſten Irrthümer, ein einziges hochherziges Gefühl in biefen gemeinen Seelen. „Ib rechne nicht mehr auf dieſe Leute”, werden Si nir jagen, Auf wen ſonſt? Kamm in dem gegenwärtigen Staat, der immer ſchlechter wird, ein vernünftiger, ein ehrlicher Mann noch zur Macht gelangen? Und kann diefer Staat fid ändern, Tann er bejjer werden ehne eine Revolution, die alled über den Haufen wirft? Ich alaube ed nicht. 18. Jän. 1823.

Redtiertigung dieſer Klage

Man wirft mir ver, daß ich gefagt, die jeciale Ordnung fei nicht krank als je. Ich gebe aerne zu, daß vor der Nevolutien die Maſſe des Volkes verdorbener war und daR diefe Fäulniß ohne Unterlag zunabm; daß ſich Dagegen beurzutage bei einem arefen Theil der Bevölkerung eine Nüdlehr zu religidjen Prin: cipien und felalih zu Allem, was gut it, bemerflih macht. Nun aber, da man andererfeitd zugibt, daß es ehemals wahr: baft jeciale Anititutionen und Gefege gab, die jetzt nicht mehr eriftiven, daß es weſentlich chrijtlide Negierungen gab, denen antichriſtliche Negierungen gefeigt find; und da dic Negierungen, ie Anjtitutienen und die Gelege gerade das find, was ich unter focinier Ordnung verftche, ſe glaubte ih daraus ſchließen zu fünnen, daß die ſociaꝛe Ordnung mehr frank ſei als je. Das gegemeärtige Gute iſt individuell und rettet felglih nur das Individuum; Das Boſe iſt allgemein und richtet die Völker zu Grunde.

Man wirft mir zweitens ver, daß ich glaube, eine Kata- ftrepbe ſei netbwendig 8 Züchtigung oder als Heilmittel. Ich graube in der That, daR fie notbwendig iſt ſewohl als Heil: mittel wie as Züchtizung. Aber veriucben wir es, uns über dieien Puntt zu veritändigen. Man jagt: wir werden, wir tünnen nicht mebr ſeben, mad wir bereits geicben baben; ober

324 J. Kuabenbauer: ber Prophet Iſaias. .

Wenn auch bie und da in dem Einzelerflärungen eine hende Anfiht ihren berechtigten Platz haben mag, fo wir uns bod im Ganzen mit den fo befonnenen ale jd nigen Bemerkungen des Verfaſſers nur einverftanden er Das Bud ift recht dazu geeignet, viel Nuten und Ge ftiften, fowohl zur perfünlien Erbauung des Lefers be gen, als auch zur Verwerthung für den paftorellen Gt ben fo reichhaltigen Propheten bem vollen Verſtändniß fließen.

404 Preußen und das Reid.

befreienden Stellung bewußt zeigte. Fürft Bismarck jelbft ließ e8 ſich gerne gefallen, daß man ihn als den großen Epigonen des Wittenberger Mönches pries. Vorbei! Man fpricht nicht mehr von ber Reformation und ihren geiftigen Siegen, nicht mehr von den idealen Gütern, welche als Erb- theil der Reformation dem beutfchen Volke verblieben; nur am Golde hängt, nad) Golde drängt Alles, was an jtaats- männifchen Gedanken dem Haupte des eifernen Kanzlers entfpringt.” 1)

Wenn wir no einmal die ganze Laft überfchauen, die der moderne Atlas auf feine Schultern genommen hat, fo drängt fich immer wieder die Frage auf: wer foll das nad) ihm tragen? Die vier Augen!

1) „Neue Freie Preſſe“ vom 4. April 1882. Das Organ wiederholt bie in einem Juden⸗Blatt befonders interefjante Sen: tenz: „Die Jagd nad) dem Golde ift etwas Verhängnißvolles ; wer ſich ihr ergibt, bleibt ihr Gefangener.“

440 Oeſterreichiſche

unglückliche Löfung dieſer ſchwierigen Aufgabe für das Ge- fammtreih, für Gegenwart und Zukunft, zum Heil oder Unheil der Staatsbürger Defterreihs in Anfprucd nehmen darf. Um Unparteilichfeit ift e8 eine fchöne Sache und doch wird es immer Fragen geben, in welcher nur Heuchelei und Phariſäerthum den Schein der Unparteilichfeit ſich anmaßen kann. Wenn fi der Streit ob ſchwarz oder weiß, Licht oder Schatten erhebt, da möchten wir den ehrlichen Mann fennen lernen, der fich nicht für das Kine von beiden zu entjcheiden genöthigt fähe. Die öfterreichifche Schulfrage läßt aber in gleicher Weife nur die Alternative zwiſchen ben Gegen: fügen zu.

Unfere Schulgefeßgebung krankt an allen jenen Maͤngeln und Gebrehen, an welchen ihr Vater, der Liberalismus, leidet. Und wie der Liberalismus zum politiichen Bankrott, zur Auflöfung der focialen Ordnung und zum wirklichen Kampf um's Dafeyn führen muß, jo wird die Volksſchule als Mittel zur Beſchleunigung des Zerſetzungoprozeſſes der Geſellſchaft und des Ausbruches der gewaltigen Kataſtrophe dienen, welche die Menſchheit erjt mit der ganzen Bedeutung deffen, was man bis nun in frivoler Weiſe als „Culturkampf“ bezeichnet, vertraut machen wird, Cs wäre tief bedamerlich, wenn man unfern Worten Teine andere Bedeutung als die hohler Deflamation beimejjen wollte. Die Sturmvögel, welche laut Frächzend zu unfern Häuptern jchwirren, der bobe Wogenſchlag, der die Näbe der Fluth verfündet, das Rauſchen und Braufen, das durch die Luft geht, legen Zeug: niß für uns ab Am ſtillen Schulbauje wird ver Wind gejüet, der einjt als Sturm das Land durchfegend, uralte Bäume entwurzeln und die Webnräume glüdliber Menſchen zertruͤmmern ſoll.

Die ältere öſterreichiſche Volksſchule war nicht frei von Feblern und die an ihr angeſtellten Lebrer friiteten ein gar rũmmerliches Yeben, das der Aufreibtbaltung der Standesebre wicht förderlih war. Die Wiſſenſchaft der alten Schulmeifter

526

Poetiſches:

ſüß katholiſch klingt das Theodor Aubanel'ſche „Gebet“

(©. 18):

Heil’ges Bild im Haine, Schönes, ſchönes Kreuz, Schmücket did fo feine Aller Waldblumen Reiz! Jeſus liebend lauſchet

Auf die Nachtigall,

Ach, ſein Herzblut rauſchet Wie des Brünnleins Fall. Durch Dein Kreuz und Leiden Vom Fegfeuer frei

Das Paradies der Freuden, Herr, uns gegeben ſei.

Wenn Ludwig Simeon Lambert's kleines Gedicht: „Der Stern von Bethlehem“ (S. 30) uns an Johannes Schrott erinnert, fo liegt dieß gleicherweiſe an Inhalt und Vers: maß; und wer trüge Bebenten, ben „Letzten Gruß” bes er- wähnten Aubanel (S. 23) für ein urmwüchfig deutſches Lied

binzunehmen ?

Ich flieg über Zaden und Riffe Hinauf, wo das Bergfchloß fteht,

Ich flieg zu den Zinnen ber Thürme, Wo Mnarrend die Fahne ſich dreht. Ich fah ein Segel im Himmel

Weiß jhimmern über dem Meer,

Als 0b es ein Bogelfittich,

Ein weißer Seeabler wär!

Ich ſah es noch weit, noch weiter, Und ſah es noch lange Zeit,

Dann fah id nur mehr die Sonne Und des Meeres Unendlichkeit.

Da bin ih hinuntergeftiegen

Und lief wie bethört am Strand Und ſchrie einen Tag ihren Namen Hinaus. über See und Land.

Etwas bezeichnender franzöfifh in ber Wenbung bed Ge- dankens ift das rührend innige Sonett ber Dichterin und Did tergattin Rofo-Anais, „Das Kämmerlein" (S.17). Was

Aegypten und bie Mächte, 543

er ftellte daS Collegium in Schwyz wiederum her, trachtete das Fabrikweſen zu Kriftianifiren und gründete zu dieſem Behufe nur zu viele Fabriken; nebenbei wirkte er als Spital und Waifenvater, als Mitglied gemeinnügiger Geſellſchaften, ale Mifionär, Beichtvater und Prediger, feit 1860 aud) noch ale Generalvifar bes Bisthums Chur, Er erlag feinen riefigen Anftrengungen plößlihb am 15. Hornung 1865.

AXXVIIL

Zeitlänfe. Tie Entſcheidung in Aegypten; England und bie Mächte. Ten 24. Eeptember 1882.

Gottlob: die Würfel find rajch gefallen im Nillande ; das Blendwerk der fogenannten „National Erhebung“ in Aegypten ijt zerjtoben bei der erjten Berührung mit dem englifchen Banner, und man jieht wieder klarer in jene Welt des Orients, in die das hriftliche Abendland mit feiner ganzen Zukunft nun abermals durch neue und ftarfe Bande hineins gezogen jenn wird. Ob diefe Bande englijchen oder anderen Urfprungsjtempel tragen, Fümmert uns viel weniger, als daß fie überhaupt gewoben und geknüpft werben. Der Aus- blie auf den Orient ift die einzige Herzerhebung, die ben abendländifchen Nationen in ihren enge geworbenen, mit

560 Aegypten und die Mächte.

jtriden oder fih felber von den Berliner Congrekfejjeln wieder zu befreien. Uebrigens paßt des Reichskanzlers be- kanntes Wort: „Was kannſt Du armer Teufel geben ?* auf England nit. Es könnte aus dem türkifchen Leib und Umgebung Riemen für alle Mächte ſchneiden bis auf Eine. Da fißt der Haden der Compenfationg = Politif, zu deren weiterer Erörterung wir uns vorerft nicht wieder verftei- gen wollen.

XLI. Zum ſiebenten Centenarinm des HI. Franzislus.

In dem reizend gelegenen Afjifi erblickte ber HI. Fran— ziskus, mit Recht der „Seraph“ ') genannt, Ende September 1182 das Licht der Welt. Noch im Sünglingsalter zeigte er ber Welt bereit8 das glänzende Beifpiel größter Ent- fagung und er erreichte, ſoweit e8 dem Menſchen in diefem Leben überhaupt möglih ift, den Höhepunft ber Liebe zu Gott.

„Bon feinem Aufgang war er noch nicht ferne, „Als er bie Erde ſchon empfinden ließ „Den ſüßen Troft von feiner großen Tugend.“ (Dante.)

Seine Innigfeit war fo groß, daß er in ben tiefen Betrachtungen auf dem einfamen Berge Alverno mit ben Wundmalen des Herrn ausgezeichnet wurde, 1224.

„Auf rauhen Fels gebettet zwifchen Arno „Und Tiber warb ihm Chrifti letztes Siegel, „Das trugen feine Glieder zwei der Jahre.“ (Dante.)

Kaum 44 Jahre alt verließ der Heilige bereits dieſes Xeben, 1226, mit den Worten: „Herr befreie meine Eeele aus dem Kerker, auf daß ich preife deinen Namen.”

Wenige Heilige haben auf ihre Zeit eine fo zündende Wirkung ausgeübt und haben audy die fpäteren Jahrhunderte

1) „Seraphifh ganz von Liebe voll”, fagt Dante (Paradies, 11. Gejang) von bem Heiligen.

624 Schweizer Efizjen:

Zerrüttung auf der dunkeln Folie ber allgemeinen europäijchen Zerrüttung und ihrer Gefahren erfcheinen laſſen. Aber die Frage drängt fich fchließlich doch auf: wie nehmen ſich auf einem ſolchen Hintergrunde die Faiferlihen Proflamirungen ber großen Socialreform vom 17. November und 27. April aus? Ein Staatsmann, der die Hand an den Pflug ber Socialreform Legt, darf nicht rückwärts fchauen, fonft weiß er entweder nicht, was er thut, oder es